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Jahresprogramm würdigt Schriftstellerin Sophie von La Roche PDF Print E-mail
Written by Doreen Keck   
Thursday, 11 October 2007
Mit einem umfangreichen Jahresprogramm würdigen die Kultureinrichtungen der Stadt Offenbach die Schriftstellerin Sophie von La Roche, deren Todesjahr sich 2007 zum 200. Mal jährt. Sophie von La Roche, die als erste Bestseller-Autorin der deutschen (Literatur-)Geschichte gilt, lebte die letzten 21 Jahre ihres Lebens in der Offenbacher Domstraße. Die Veranstaltungsreihe beleuchtet unterschiedliche Facetten ihres Lebens und Wirkens und erhellen dabei auch den kulturhistorischen und zeitgeschichtlichen Kontext des 18. Jahrhunderts.

 

   
Exklusive Ausstellung zum Sophie-von-La-Roche-Jahr 2007

Sophie von La Roche, am 6. Dezember 1730 geboren, lebte im 18. Jahrhundert das Leben einer modernen Frau: Radikalen biographischen Brüchen ausgesetzt, mit Lobpreis oder Geringschätzung ihres literarischen Schaffens bedacht, gelang es ihr, sich als erste deutsche Erfolgsautorin zu etablieren. Ihre letzten 21 Lebensjahre verbrachte sie in Offenbach. Anlässlich ihres Todes vor 200 Jahren ehrt die Stadt Offenbach die große Schriftstellerin der Empfindsamkeit mit einer exklusiven Ausstellung im Haus der Stadtgeschichte, die am Sonntag, 21. Oktober, um 15 Uhr eröffnet wird.

Eröffnet wird die Ausstellung von Bürgermeisterin Birgit Simon und dem Leiter des Hauses der Stadtgeschichte, Dr. Jürgen Eichenauer. Professor Dr. Volkmar Hansen, Leiter des Goethe-Museums Düsseldorf / Anton-und-Katharina-Kippenberg-Stiftung - Unterstützer der Ausstellung - sowie die Ausstellungskuratorin Julia Bastian werden eine Einführung geben.

Im Anschluss nimmt die Grafische Werkstatt für Technik und Kunst Offenbach am Main e.V. die historische Senefelder-Presse von 1797 in Betrieb. Die Künstlerin Gabriele Gröninger-Zahn fertigt ein modernes Bildnis der Sophie von La Roche.

Zum Leben und Werk Sophie von La Roches

Sophie von La Roches Briefroman "Geschichte des Fräuleins von Sternheim", im Jahr 1771 vom Jugendfreund Christoph Martin Wieland veröffentlicht, machte den Namen der Autorin in Europa bekannt. Der junge Goethe nutzte mit seinem Roman "Die Leiden des jungen Werthers" (1774) nach ihrem Vorbild die Kunst des empfindsamen Schreibens, um das Publikum in direkter Ansprache durch Briefe zu begeistern.

Sophie von La Roche war nun die Muse der Literatengeneration des Sturm und Drang: Mit Goethe stand sie in Briefkontakt, die Brüder Jacobi und Friedrich Maximilian Klinger verehrten sie. Ebenso wie diese beanspruchte sie Freiheiten. Sie reiste, bestieg einen Gletscher in der Schweiz und gab schließlich sogar eine Frauenzeitschrift heraus: ›Pomona‹ (1783/84), zu deren Leserinnen auch Katharina die Große gezählt hat.

Ihr Lebensweg führte sie durch Orte und Städte des Heiligen Römischen Reichs: vom Geburtsort Kaufbeuren über Lindau am Bodensee in die Bürgerstadt Augsburg, nach Biberach an der Riß, danach ins höfische Leben des kurfürstlichen Mainz und nach Schloß Warthausen, ebenso in die ländliche Abgeschiedenheit von Bönnigheim und ins kurtrierische Ehrenbreitstein bei Koblenz. Stationen, bevor ein jäher Sturz die Familie ins Exil nach Speyer zwang, schließlich ab 1786 ein bürgerliches Leben in Offenbach am Main.

Bei wechselnden Schicksalen blieb Sophie von La Roche eine Autorin der Empfindsamkeit, die ihre Korrespondenzen mit Bürgerlichen und mit dem aufgeklärten Adel pflegte, die erzieherische Schriften verfaßte, als diese längst aus der Mode kamen. Von Zeitgenossen, die den Ansatz und Anspruch der alternden Schriftstellerin in den Jahren um 1800 nicht mehr verstanden, wurden vernichtende Urteile gesprochen, die noch in der Gegenwart das Bild der Sophie von La Roche bestimmen. Dabei gehören ihre Enkel Bettine und Clemens Brentano bereits einer Generation von Literaten an, für die Sophie von La Roche manches Tor geöffnet, manches Vorurteil beseitigt hat. Am 18. Februar 1807 starb sie, bis zuletzt literarisch produktiv, in ihrer »Grillenhütte« in der isenburgischen Residenz Offenbach am Main.

Zur Ausstellung

Aus dem evangelischen Kirchenarchiv in Kaufbeuren erhält das Haus der Stadtgeschichte das Kirchenbuch mit Sophie von La Roches Taufeintrag vom 6. Dezember 1730. Das Stadtarchiv Kaufbeuren beteiligt sich mit der Dissertationsschrift und dem Druck der Hebammenordnung des Vaters der Schriftstellerin, Georg Friedrich Gutermann. Weitere Leihgaben werden aus den Beständen der Niedersächsischen Staats- und Universitätsbibliothek in Göttingen gezeigt, von der Museumslandschaft Hessen Kassel (MHK), Schloß Wilhelmshöhe, und von der katholischen Pfarrei St. Pankratius im heutigen Offenbacher Ortsteil Bürgel. Dort wurde Sophie von La Roche am 18. Februar 1807 bestattet, so daß sich mit dem Sterbeeintrag im dortigen Kirchenbuch der Lebenskreis schließt.

Das Haus der Stadtgeschichte, dessen Archiv selbst über 350 Briefe dieser ersten erfolgreichen deutschen Romanschriftstellerin verwahrt, hat für die große Ausstellung die Zusammenarbeit mit bedeutenden deutschen Goethezeit-Institutionen gesucht. Unterstützt wird die großangelegte Schau durch

    * Goethe-Museum Düsseldorf / Anton-und-Katharina-Kippenberg-Stiftung
    * Freies Deutsches Hochstift / Frankfurter Goethe-Museum
    * Klassik Stiftung Weimar
    * Gleimhaus, Halberstadt
    * Wieland-Museum, Biberach an der Riß.

Zudem zeigt die Offenbacher Ausstellung bislang niemals publizierte und zum Teil der Fachwelt unbekannte Exponate aus bürgerlichem und adligem Familienbesitz.

Aus den Düsseldorfer Beständen, die auf die Sammlung von Professor Dr. Anton Kippenberg (1905 bis 1950 Leiter des Insel Verlages in Leipzig) zurückgehen, wird als Dokument der literarischen Epoche der Empfindsamkeit beispielsweise Goethes »Ossian«-Fragment gezeigt, das er im Herbst 1771 an seine Sesenheimer Geliebte Friederike Brion schenkte und nahezu wortgleich Aufnahme in seinen Romanerfolg ›Die Leiden des jungen Werthers‹ (1774) fand, der als Briefroman inspiriert war durch Sophie von La Roches Sensationserfolg ›Geschichte des Fräuleins von Sternheim‹ (1771).

Das Freie Deutsche Hochstift / Frankfurter Goethe-Museum gibt unter anderem eine Quittung zur Unterstützung der Bettine Brentano durch Sophie von La Roche, ausbezahlt während diese als Enkelin und Waise bei Sophie von La Roche in der Offenbacher »Grillenhütte« aufgenommen war. Das Gleimhaus in Halberstadt hat die Ausleihe des berühmten, Georg Oswald May aus Offenbach am Main zugeschriebenen Sophie von La Roche-Bildes gestattet. Das Wieland-Museum in Biberach an der Riß leiht wiederum neben weiteren Exponaten ein von Georg Oswald May gemaltes Wieland-Bildnis.

Insgesamt werden 87 Exponate zu sehen sein.

Im Ausstellungskatalog (311 Seiten, 88 s/w-Abbildungen; 29,80 €, ISBN 978-3-89739-572-5), der als zweiter Band der Schriftenreihe ›Offenbacher Studien‹ erscheint, sind neben erstmals publizierten Exponaten und Briefen Beiträge der internationalen Sophie von La Roche-Forschung von achtzehn namhaften Autorinnen und Autoren enthalten.

Ein großzügiges Mäzenatentum hat diese Ausstellung gefördert: Zu danken ist allen Offenbacher Bürgerinnen und Bürgern, die dem Spendenaufruf der Frauengruppe »Die Pfeffernüss'« folgten. Danach hat die Kulturstiftung der Städtischen Sparkasse Offenbach am Main Vorarbeiten des Kataloges finanziert. Die Finanzierung des Lektorats und die Drucklegung des Katalogs wurden schließlich von der Dr. Marschner-Stiftung übernommen.

Ausstellungsführungen durch Kuratorin Julia Bastian:

Oktober:
Sonntag, 28. Oktober, 11.00 Uhr

November:
Sonntag, 4. November, 15.00 Uhr
Sonntag, 18. November, 15.00 Uhr

Dezember:
Sonntag, 9. Dezember, 15.00 Uhr
Sonntag, 23. Dezember, 15.00 Uhr

Januar:
Sonntag, 6. Januar, 15.00 Uhr

Die Austellung endet am Sonntag, 6. Januar 2008

 
 
Beginn der Veranstaltung:      21.10.2007  15:00 Uhr
Adresse:      Haus der Stadtgeschichte
Strasse:      Herrnstraße
Hausnummer:      61
PLZ:      63065
Ort:      Offenbach

 

 

 

Quelle: Offenbachonline.com 

 
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