Für Sanierung und Neubau von Schulen will der Magistrat 250 Millionen Euro investieren In den nächsten zehn Jahren sollen die Offenbacher Schulen für einen zeitgemäßen, ganztägigen Betrieb unter ökologischen Standards modernisiert werden. Die Entwicklung Erschließung Gebäudemanagement GmbH (EEG) hat für die 32 Bildungseinrichtungen einen Bericht vorgelegt, der den Sanierungsbedarf der Gebäude dokumentiert und die Kosten der Maßnahme auf 250 Millionen Euro beziffert. Laut Oberbürgermeister Horst Schneider beinhaltet das Projekt „ein Finanzvolumen, wie es in der Nachkriegszeit noch nicht da gewesen ist.“ Der Grundsatzbeschluss sieht für die Finanzierung des Projekts verschiedene Möglichkeiten vor, die geprüft werden. Allerdings muss, so Horst Schneider, „bei dem zentralen Projekt der Stadtentwicklung der nächsten Jahre, das Tabu der Nettoneuverschuldung gebrochen werden.“
Der hauptamtliche Magistrat mit Oberbürgermeister Horst Schneider, Bürgermeisterin Birgit Simon, Bildungsdezernent Paul-Gerhard Weiß und Kämmerer Michael Beseler sieht mit der Investition die drei großen Themen ihrer politischen Arbeit, nämlich Bildung und Erziehung, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf und das Bauen in Zeiten des Klimawandels verbunden. Wie dieses ehrgeizige Projekt angesichts der städtischen Haushaltslage geschultert werden kann, erläuterte Kämmerer Michael Beseler. Er wies auf das Dilemma hin, dass „Offenbach eigentlich kein Geld hat, aber in Schulen investieren muss.“ Das Regierungspräsidium in Darmstadt als zuständige Aufsichtsbehörde sehe allerdings die Notwendigkeit der Maßnahmen und begleitet das Vorhaben intensiv und konstruktiv. Es gebe allerdings „keinen Blankoscheck“, sondern der „sparsamste Umgang mit dem Geld“ sei gefordert und alle Projekte werden überprüft. Zudem werde Offenbach einen Eigenbeitrag leisten müssen, der bei 25 bis 30 Prozent liegt, laut Michael Beseler bei 60 bis 80 Millionen Euro.
Zur Teilfinanzierung der Projekte wird die Haushaltsrücklage in Höhe von 20 Millionen Euro aufgelöst. Für Neubauten, etwa die Beethovenschule und, wenn sinnvoll, der Neubau der Humboldtschule, sowie die Erweiterungs- und Sanierungsmaßnahmen am Berufsschulzentrum Buchhügel werden öffentlich-private Partnerschaftsmodelle überprüft. Zusätzlich sollen Kredite aufgenommen und mit dem Verkauf städtischer Vermögensbestände finanzielle Gewinne erzielt werden. Um welche Objekte oder Beteiligungen es sich dabei handeln wird, verriet Michael Beseler allerdings nicht. In die Steuerung und das Controlling des Projektes werden das Bauamt, die Stadtwerke Offenbach Holding (SOH) und die Entwicklung Erschließung Gebäudemanagement GmbH (EEG) eingebunden.
Insgesamt ist der zeitliche Rahmen auf zehn Jahre angelegt. Der erste Schritt mit einem geschätzten Investitionsvolumen von 100 bis 110 Millionen Euro soll bis 2012 abgeschlossen sein. Dieser beinhaltet den Neubau der Beethovenschule, die Erweiterung des Berufsschulzentrums Buchhügel, sowie der Albert-Schweitzer-Schule, der Leibnizschule und der Rudolf-Koch-Schule. In diesem Zeitraum sollen auch die Ludwig-Dern-Schule, die Waldschule Tempelsee, die Grundschule Bieber/Außenstelle saniert werden. Ob für die Humboldtschule anstelle einer Sanierung ein Neubau auf dem Gelände der MAN Gelände in der Christian-Pleß-Straße sinnvoll ist, wird geprüft. Im zweiten Abschnitt, geplant in den Jahren von 2013 bis 2017, werden die Sanierungs- und Erweiterungsmaßnahmen mit einem Gesamtvolumen von 140 bis 150 Millionen Euro an den anderen Schulen fortgesetzt.
Bildungsdezernent Paul-Gerhard Weiß bezeichnete das Unternehmen Schulsanierung als das „wichtigste Standortthema“ in Offenbach. Gerade junge Familie richten sich nach dem Schulangebot ihres wohnlichen Umfelds aus, Tendenzen zunehmenden Wegzugs aus Offenbach geben dabei Anlass zur Sorge. Daher müssen alle Offenbacher Schulen „modernisiert und ganztagsfähig gemacht werden, damit Offenbach in diesem Bereich in der Region wettbewerbsfähig ist.“ Auf die stetig steigenden Schülerzahlen an Gymnasien, Gesamtschulen und beruflichen Schulen soll mit einer Erhöhung der Raumkapazität und Angeboten der Ganztagsbetreuung in den Bildungseinrichtungen reagiert werden. Nur so sei es möglich, auf „pädagogisch modernem Stand zu arbeiten.“ Bürgermeisterin Birgit Simon sieht in den Plänen die „Grundlagen für ein ganzheitliches Bildungsangebot und einen Meilenstein für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie“ gegeben. Der Umwelt- und Sozialdezernentin ist dabei auch das Spektrum von Bauvorhaben in Zeiten des Klimawandels wichtig. Die Priorität liegt auf energieeffizientem Sanieren und Bauen. Neubauten sollen im Passivhausstandart geplant werden, Baustoffe aus nicht umweltschädlicher Produktion gewählt werden und Heizungsanlagen schadstoffarm arbeiten. Für den hauptamtlichen Magistrat wird das Projekt der umfassenden Schulsanierung allerdings sicher ein energieintensiver Kraftakt werden. Quelle: offenbach.de |