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Streik: Volle Bahnsteige und verärgerte Pendler PDF Print E-mail
Written by Doreen Keck   
Thursday, 11 October 2007
Frankfurt (dpa) Überfüllte Bahnsteige, aber keine Züge: Der Frankfurter Hauptbahnhof bietet am Freitagmorgen ein ungewohntes Bild. Schon vor dem angekündigten Streik der Lokführergewerkschaft GDL im Nahverkehr warten um 6.30 Uhr hunderte Pendler im Tiefbahnhof auf ihre S-Bahn. Auf jeder Linie verkehrt laut Ersatzfahrplan nur ein Zug pro Stunde - das strapaziert die Nerven der Fahrgäste. «Ich habe kein Verständnis dafür», sagt Uwe Schulz, der zur Arbeit nach Rüsselsheim muss. «Wenn der Streik erst um 8.00 Uhr beginnt, braucht man doch die Bahnen nicht schon so weit vorher stillzulegen.»

Nach den Erfahrungen des letzten Lokführerstreiks Anfang Juli, der für ein gewaltiges Chaos im Bahnverkehr sorgte, wollte das Unternehmen diesmal möglichst viel Normalität gewährleisten. Deshalb hatte die Deutsche Bahn AG am Donnerstag einen Notfallfahrplan entwickelt, der auch ohne den Einsatz der GDL-Lokführer eingehalten werden sollte. Dieser Fahrplan trat unmittelbar nach der kurzen Nachtpause zu Betriebsbeginn am frühen Freitag in Kraft. Während die ICE-Verbindungen fast vollständig aufrechterhalten werden sollten, wurde der Nahverkehr von Ausfällen empfindlich getroffen.

Um Punkt 8.00 Uhr begannen dann noch einige Lokführer, Regionalzüge und S-Bahnen zu bestreiken. Auf der Strecke von Wiesbaden nach Frankfurt blieb beispielsweise kurz nach 8.00 Uhr ein S-Bahn-Zug einfach am Bahnhof Rüsselsheim stehen. Die Fahrgäste wurden per Durchsage auf den Arbeitskampf hingewiesen. Bei den Pendlern stieß das auf wenig Sympathie. «Das ist ja das allerletzte», fand eine 31 Jahre alte Angestellte, die ins Büro nach Frankfurt wollte. Zehn Minuten später mussten die Passagiere dann in einen überfüllten Regionalexpress umsteigen, der immerhin die Weiterfahrt ermöglichte.

Während die Bahn alles versuchte, um ihre Fahrgäste auf dem Laufenden zu halten, bekamen die S-Bahn-Nutzer kaum Informationen. «Die Fahrplananzeige bietet uns keine Abfahrtszeiten, und die Bahnmitarbeiter verstecken sich alle», kritisiert Martin Gros (41) aus Limburg. «Den Hinweis, dass die Bahnen stündlich fahren, kann man sich dann auch sparen.» Überall bildeten sich Menschentrauben um die wenigen Bahnbediensteten. Doch auch sie konnten nicht immer weiterhelfen. «Zuerst hat man mir erklärt, dass die Bahn um 6.45 Uhr, dann hieß es 7.00 Uhr und nun sind wir schon bei 7.15 Uhr», sagt ein 45-Jähriger, der selbst bei der Bahn arbeitet.

In der Haupthalle verteilten derweil Helfer kostenlose Getränke und Snacks, um die wartenden Reisenden bei Laune zu halten. Das gelang jedoch auch nicht immer: Katja Süß hatte zwar eine Flasche Wasser, zufrieden war die Bahnkundin aber nicht. «Man wird hier von A nach B geschickt», klagt sie. «Ich habe schon zwei Mal 20 Minuten auf verschiedenen Gleisen gewartet, und passiert ist gar nichts.» Nun versuche sie mit der streikfreien Straßenbahn zu ihrem Arbeitsplatz zu kommen. Aber selbst gestresste Fahrgäste hatten Verständnis für den Streik. «Die Bahn erhöht ständig die Preise, das Personal soll aber nichts davon abbekommen. Das ist doch ungerecht», findet Stefanie Kohlhaas, die auf dem Weg nach Darmstadt ist.

Manche Fahrgäste wurden trotz der langfristigen Ankündigung von dem Lokführerstreik völlig überrascht. Michael Braun und Freundin Peggy Klunker kommen gerade aus ihrem Vietnam-Urlaub zurück und stehen mit ihrem Gepäck in der Bahnhofshalle. «Wir lassen uns aber nicht aus der Ruhe bringen, unser ICE nach Leipzig soll planmäßig fahren, und danach sehen wir weiter», sagten die Urlauber. Für viele Hessen dürfte dagegen der Start in die Ferien weniger entspannt sein: Am Freitag begannen in dem Bundesland die Herbstferien.

 

Quelle: Rhein-Main.net 

Last Updated ( Thursday, 11 October 2007 )
 
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